Archiv der Kategorie: Themen

Hier finden sich alle thematischen Beiträge und Veranstaltungshinweise zu thematischen Veranstaltungen. Auch Beiträge zum jeweiligen Halbjahresthema tauchen hier auf, außerdem unter dem entsprechenden Schlagwort.

Klimaschutz-Gottesdienst

Am Erntedanktag 6.10.2019 laden wir ein zu einem Vespergottesdienst um 18 Uhr in der Neuen Brüderkirche, Weserstraße 26, Kassel Wesertor.

Vortrag zum Klimawandel von Dr.-Ing. Martin Hoppe-Kilpper, Universität Kassel, Scientists for Future

Raymond Cossmann von Fridays for Future und Konfirmandenteamer über Aktivismus

Frederik Stecher vom BUND erklärt, was es mit dem ökologischen Fußabdruck auf sich hat.

Soziologische Betrachtungen von Lars Müller – wie kriegt man einen sozial ausgewogenen Richtungswechsel hin?

Ideen für die Umwelt aus der Gemeinde

Gespräche in Gruppen

Musik von der Kirchenband Kassel Hope, dem Chor Zwischentöne und der interkulturellen Band Palaver Rhababa

Anschließend gemeinsames Erntedank-Essen

Am 20. September war die große, weltweite Klimademonstration, an der in Kassel auch die Konfirmanden unseres Bereiches mit eigens erstellten Transparenten und viele aus unserer Gemeinde teilnahmen incl. Klimagebet, s. hier. Jetzt wollen wir das vertiefen, mehr Informationen bekommen und überlegen, was wir weiter tun können.

Vielfaltverstärker

Unsere Gemeinde hat beim Wettbewerb Vielfaltverstärker für das Projekt Interkulturelle Teams aktiv für’s Gemeinwohl einen Preis gewonnen!

Es wurden 6 Kasseler Projekte ausgesucht für verschiedene Dimensionen des Themas Vielfalt. Unsere Gemeinde hat den Preis im Bereich Ethnische Herkunft gewonnen. Damit wird Die Kirchenvorstandsvorsitzende Angelika Kleim und Pfarrer Stefan Nadolny haben die Urkunde gemeinsam von Bürgermeisterin Ilona Friedrich und Dagmar Krauße von der Initiative Offen für Vielfalt überreicht bekommen.

Das Preisgeld beträgt 25.000 Euro:6, also 4166 Euro. Damit wollen wir entsprechend dem Projektantrag interkulturelle Teamarbeit in unserer Gemeinde weiter stärken. Wir danken unseren Kooperationspartnern und wollen gemeinsam weiter an diesem Thema arbeiten.

Hier gehts zur Seite von Offen für Vielfalt.

https://offenfuervielfalt.de/

Klimagebet und Klimastreik

Wir schließen uns dem Aufruf von Fridays for Future an und laden herzlich ein zur Demo am 20.9. um 12 Uhr am Hauptbahnhof. Wir haben dazu mit den Konfis ein Video gemacht:

Außerdem laden wir ein zum Klimagebet:

Das Klimagebet war insofern ein voller Erfolg, als es gut besucht war und alle sehr motiviert zur Demo gegangen sind. Weniger erfreulich ist, dass leider die Beschlüsse des Klimapakets lange nicht ausreichen, um die Klimaziele zu erreichen. Deshalb werden wir weiter beten, demonstrieren und an unserem eigenen Bewusstsein und Verhalten arbeiten müssen. Die nächste Aktion bei uns ist der Vespergottesdienst „Ideen für die Umwelt“ am Sonntag, den 6. Oktober 2019 um 18 Uhr in der Neuen Brüderkirche.

Bericht vom Kirchentag in Dortmund

Drei Gruppen mit Beteiligten aus unserer Gemeinde waren beim Kirchentag in Dortmund, um dort mitzuwirken und Aufführungen zu gestalten. Einige waren mit der Theatergruppe Zeitlos dort und führten das Werk Inferno Paradiso auf, ein Stück mit Musik von Peter Janssens in einem Theater auf – gleich zweimal hintereinander.

Außerdem fuhren die Gruppen Morgen und Palaver Rhababa zum Kirchentag (wobei alle Musiker der Gruppe Morgen auch bei Palaver Rhababa spielen), spielten drei Konzerte und begleiteten drei Veranstaltungen – und machten ungefähr 8x Straßenmusik während der 5 Tage: spielsüchtig! Die Aufführungen waren alle sehr erfolgreich – wenn auch unterschiedlich besucht zwischen 7 und 1000 Teilnehmenden. Zu einem Konzert einer doch eher unbekannten Band morgens um 11 kommen eben nicht so viele Menschen gezielt, zu einem Vortrag eines Friedensnobelpreisträgers aber schon. Die Konzerte haben viel Spaß gemacht und sind bei dem teilweise eher kleinen, aber feinen Publikum auch gut angekommen. Die Veranstaltungsbegleitungen waren außerdem auch sehr interessant, sodass ich von den Themen ein wenig berichten möchte.

Zunächst spielte Palaver Rhababa bei einer Veranstaltung mit Prof. Dr. Volker Perthes, Experte für die Region Naher und Mittlerer Osten und ein wichtiger Berater der Bundesregierung. Er sprach z.B. über den aktuellen Konflikt zwischen Iran und USA. Er betonte zum einen, dass es sich bei den Attacken mehr um eine Art psychologisches Spielchen handele, zum anderen aber auch, wie gefährlich solche Spiele seien. Perthes war bei vielen Versuchen von Vermittlung und Verhandlungen beteiligt und sprach aus einer eher bescheidenen Haltung heraus. Er sprach weniger von Konfliktlösung, diese sein oft nicht möglich. Stattdessen könne man dann Konfliktmanagement versuchen. Dafür sei es dann nötig, Verhandlungen auch mit schwierigen Gesprächspartnern zu führen, bei denen manche fragen würden: „Wieso redet ihr überhaupt mit denen?“. Es war sehr interessant zu hören, wie Prof. Perthes versucht, mit diesen großen Ambivalenzen umzugehen. Die Musik von Palaver Rhababa war dazu sehr passend, z.B. das Stück Homs über diese zerstörte Stadt, das Ahmad Schemis geschrieben hat, der aus Homs kommt.

Die nächste Veranstaltung im selben Saal im Kongresszentrum war eine mit Friedensnobelpreisträger Dr. Denis Mukwege. Er ist Gynäkologe und hat eine Klinik für die Opfer von grausamen Vergewaltigungen aufgebaut – aber auch gegen die Ursachen protestiert, die schon sehr lange andauernden Konflikte, der permanente Krieg im Kongo. Die Konflikte hängen auch mit den internationalen Rohstoffinteressen zusammen. Im Kongo wird vor allem auch Coltan abgebaut, das für Akkus gebraucht wird, für Mobiltelefone, aber auch für Elektromobilität. Hier geht es um viel Geld, das wie so oft in den Taschen einiger weniger landet. Doch auch die westliche Politik, die großen Konzerne und die Konsumenten haben dabei Verantwortung. Dr. Mukwege ist im Kongo nur knapp einem Attentat entgangen. Es zeugt von großem Mut, dass er sein Engagement für Frieden und Gerechtigkeit fortsetzt. Er regt an, dass die westlichen Demokratien sich für Gerechtigkeit und ein Ende der faktischen Straffreiheit im Kongo einsetzen, was den Machthabern und Profiteuren in der Demokratischen Republik Kongo nicht gefallen wird.

Die dritte Veranstaltung, die die Band Morgen begleitete, war ein Abend im Rahmen des Liturgischen Tages Umsturz, Umkehr, Utopie. Sie war in verschiedener Hinsicht ein Erlebnis. Drei Theater-Gestalten begleiteten den Abend mit Theateraktionen, was sehr anregend war. Zum anderen gab es interessante Vorträge, u.a. von Hartmut Rosa. Er sprach über Utopie im Zusammenhang mit seinem Thema Resonanz, gleichzeitig Titel seines Buches, was auch bei Theologen auf großes Interesse gestoßen ist (womit er selbst gar nicht gerechnet hätte). Resonanz bedeutet für ihn zunächst eine Aktion und eine Reaktion, aber gleichzeitig auch mehr und anderes, nämlich ein Geschehen, das sich gerade nicht auf Sender und Empfänger aufteilen lässt. Wo sich nicht mehr klar sagen lässt, wer aktiv und wer passiv ist. In der Grammatik anderer Sprachen wie Altgriechisch und Sanskrit gebe es eine andere Form, das Medium Passiv, mit der sich ein Geschehen klarer ausdrücken lasse. In unserer Welt würden manche an Burnout leiden, andere an ihrer Ohnmacht, manche an beidem. Sein utopischer Gedanke ist, sich mehr auf ein In-der-Welt-Sein einzulassen und Teil eines Geschehens zu sein. Natürlich hat das viel mit Theologie zu tun, man denkt an das Wachsen des Reiches Gottes und an das Wirken des Heiligen Geistes. Oder auch an Gemeinschaft in der Gemeinde und wie schön es sein kann, Teil eines besonderen Geschehens zu sein – wenn die unterschiedlichsten Menschen zusammenkommen, wenn etwas Neues entsteht, wenn ein Raum da ist, um den Traum vom Frieden zu träumen. Eine Gemeinde, die wiederum Teil eines größeren Geschehens ist, einer Bewegung spätestens seit Jesus, aber auch schon seit Moses und den Propheten, und Teil einer Bewegung für das Leben, die in den unterschiedlichsten Gemeinschaften lebendig ist. So ist diese Utopie nicht so utopisch, sondern auch erlebbar, wofür ich dankbar bin.

Der Kirchentag war für die Gruppen Palaver Rhababa und Morgen ein schönes Erlebnis, wenn auch nicht konfliktfrei – aber genau das war sehr anregend und hat uns zu einem neuen Konzept gebracht bei Palaver Rhababa: Wir wollen die Konflikte, die auftauchen als kreativen Motor verwenden und gerade darüber Lieder schreiben. Weil wir merken, dass es immer wieder Konflikte sind, die nicht nur uns, sondern die ganze Gesellschaft spalten. Und dem wollen wir etwas entgegensetzen.

Kirchentag lohnt sich!

Bericht Vortrag „Pangea“ San Francisco

Am Mittwoch, den 13.3. hatten wir im Treffpunkt international Niloufar Khonsari zu Gast. Jennifer Michaelis, Mitarbeiterin im Treffpunkt international, hatte sie eingaladen – die beiden sind Freundinnen seit der Grundschulzeit, bevor Niloufar mit ihrer Mutter in die USA gegangen ist. Niloufar studierte dort Jura, wurde Anwältin und gründete in San Francisco die Organisation Pangea, die sich für Migrantenrechte einsetzt, s. https://www.pangealegal.org

Die Organisation hat drei Säulen: Direkte Vertretung einzelner Mandanten vor Gericht, Lobbyarbeit und zivilgesellschaftliche Unterstützung. So ist ein starkes Netzwerk entstanden, das es ermöglicht, bei besonderen Fällen auch Demonstrationen vor Gerichten usw. zu ermöglichen. Während politisch auf Bundesebene seit der Trump-Regierung nicht viel zu erreichen ist, gibt es aber dennoch an den Gerichten Erfolge.

Wir erfuhren viel über die besondere Situation in den USA: Illegale Einwanderung ist Aufgabe der Bundespolizei, und Bundespolizei und die Polizei der einzelnen Staaten in den USA sind streng getrennt. Es hängt viel davon ab, ob die Polizei eines Staates oder die Behörden einer Stadt an die Bundespolizei weiterleiten oder nicht. In San Francisco tun sie das nicht, sie ist „Sanctuary City“. In den USA leben sehr viele über viele Jahre als illegale Einwanderer, ohne Papiere, ohne Arbeitserlaubnis, arbeiten aber. Was in Deutschland kaum vorstellbar ist wegen der anderen Strukturen, ist in den USA ganz normal. Wir merkten schnell, dass die Situationen sehr unterschiedlich sind, und dass beides seine Vor- und Nachteile hat.

Was macht Pangea so erfolgreich? „Wir haben eine starke Vision, für die wir kämpfen: Migranten haben Rechte, und es ist auch ein Recht, von einem Land ins andere umzuziehen!“ Pangea ist der Name des Urkontinents, als alle Landmassen auf der Erde miteinander verbunden waren. Wir wünschen Niloufar und Pangea und ihren Mandanten weiter viel Erfolg und arbeiten gemeinsam an dieser Vision!

Vespergottesdienst „7 Wochen ohne Lügen“

Sonntag, 3.3.2019, 18.00 Uhr, Neue Brüderkirche

Ein besonderer Gottesdienst in der Reihe der Vespergottesdienste in der Neuen Brüderkirche, in der Regel am ersten Sonntag des Monats um 18 Uhr. Es geht kurz vor dem Beginn der Passionszeit um die Fastenaktion „7 Wochen ohne Lügen“. Wie halten wir es mit der Wahrheit? Was ist Wahrheit? Welche Lügen ärgern uns besonders? Und wo könnten wir ehrlicher mit uns selbst und anderen sein? Wir hören und sehen verschiedene Beiträge und kommen darüber ins Gespräch. Die Musik wird gestaltet von  der Kirchenband Kassel Hope. Anschließend gemeinsames Essen am leuchtenden Tisch.

Interreligiöser Gesprächsabend

Herzliche Einladung zu unserem Interreligiösen Gesprächsabend am Donnerstag, den 20.12.2018 um 19 Uhr, den wir gemeinsam mit der Moscheegemeinde Islamisches Zentrum Kassel (Josephstraße) im Stadtteilzentrum Wesertor gestalten.

Kurz vor Weihnachten soll es um die Menschwerdung Gottes gehen. Weshalb ist es für das Christentum und für viele Christen so wichtig, dass Gott Mensch geworden ist? Und wieso ist dieser Gedanke für den Islam so problematisch?

Wir wollen uns über diese und andere Fragen austauschen – und uns besser kennenlernen. Wir wollen einander respektieren und am Frieden zwischen den Religionen arbeiten. Wir wollen die Unterschiedlichkeit wahrnehmen und können diese aushalten im Wissen um das gemeinsame Ziel.

Impulse zum Gespräch kommen von Imam Mahmoud Aziz und Pfarrer Stefan Nadolny.

Schön war’s – und interessant. 27 Personen haben sich im Bistro um den Teppich versammlt, bunt gemischt in jeder Hinsicht, junge und ältere, Frauen und Männer, liberal und eher traditionell denkende Menschen. Wir haben uns ausgetauscht – ohne Anspruch, den oder die andere unbedingt überzeugen zu müssen. Aber verstehen wollen wir doch mehr von den anderen. Wieso ist das bei euch so?
Einige Missverständnisse konnten schon aufgeklärt werden, und viele waren mehr als einmal überrascht. – Auf jeden Fall soll es weitergehen!


Halbjahresthema „Verknüpfungen“

Unser Halbjahresthema von Dezember 2018 bis Mai 2019 heißt „Verknüpfungen“.  Das Titel Bild dazu ist  ein Detail des Knopfwandteppichs der Künstlerin Lilian von Philippovich, der gemeinsam mit Mitarbeitenden in der Nähwerkstatt entstanden ist. Die Beiträge dazu finden sich auch über das entsprechende Schlagwort. Hier zur Eröffnung ein Beitrag von Jenne Michaelis:

Knüpfen ist ein uraltes Handwerk. Der Pasyryk-Teppich ist der bisher älteste Nachweis für dieses Handwerk. Er wurde aus einem im Permafrostboden konservierten Grab in Südsibirien geborgen, das wohl etwa 500 v. Chr. angelegt worden ist. Alle Merkmale des Orientteppichs sind dort wiederzufinden.

Aus dem Verknüpfen mehrerer Fäden geht ein Knoten hervor. Bei einer Knotendichte von 500.000 Knoten pro m² spricht man von Orientteppichen mit einem besonders hohen Wert. Die Summe der Knoten ergibt ein Flechtwerk, das widerstandsfähig gegen die verschiedensten äußere Einflüsse ist und daher sehr langlebig sein kann. Das Handwerk des Knüpfens wird noch heute praktiziert. Konkurrenz bekommt es durch maschinell gefertigte Textilien, die weitaus günstiger in der Produktion sind. In einem Orientteppich können 600 Stunden Handarbeit stecken. Industriell wird diese zeit eher in Minuten gezählt. Aber selbst die so weit fortgeschrittene Technik kann nicht so genau arbeiten, dass ein einzelner Knoten detaillgetreu nachgebildet werden kann. Somit können günstigere Imitate durch einen Blick auf die Rückseite des Teppichs schnell entlarvt werden.

Wie erkennt man stabile Verknüpfungen, Beziehungen im Leben, die einem Kennerblick standhalten können, jene, die langlebig sind?

Über das Internet sind wir mit der ganzen Welt verbunden, es umspannt den Erdball wie ein gigantisches Netz. Noch nie hatten die Menschen so viel „Kontakt“ zueinander. In keinem anderen Zeitalter der Menschheitsgeschichte, war es uns möglich, mit so vielen anderen Menschen auf unterschiedlichen Erdteilen in Verbindung zu stehen. Über Email, Skype, Whats app… doch wie intensiv kann ein Austausch über das persönliche Empfinden sein, wenn er über Kurznachrichten mitgeteilt wird? Wenn wir das Gesicht, das wir auf dem Monitor sehen, in Wahrheit nicht berühren können, weil uns 20.000 km davon trennen? Ist eine solche Verbindung „echt“? Kann sie bestand haben und einen nachhaltigen Knoten erzeugen?

Beim Knüpfen eines Orientteppichs gibt es zwei wesentliche Knotenarten. Den Türkischen und den Persischen Knoten. Beide Arten können in einem Teppich auftreten. Egal ob einzeln oder kombiniert: es entsteht ein Meisterwerk. Anscheinend kommt es nicht so sehr auf die Technik des Knüpfens an. Vielleicht nicht einmal auf die Festigkeit des einzelnen Knotens. Aber worauf dann?

Wenn ich den Fotoausschnitt betrachte, sehe ich Lücken zwischen den einzelnen Knöpfen. Die Knöpfe sind lediglich mit wenigen Fäden in ihrer Mitte an den Teppich genäht. Einige berühren sich, aber sonst stehen sie scheinbar nicht miteinander in Verbindung. Aber doch geben sie sich gegenseitig Halt. Weil sie selbst gehalten werden vom Knüpfwerk des Teppichs, an dem sie befestigt sind und somit auch miteinander verknüpft sind, miteinander in Kontakt stehen, miteinander verbunden sind.

Im Gesangbuch ist das Weihnachtslied „Fröhlich soll mein Herze springen“ zu finden. Die Worte „Gott wird Mensch dir, Mensch, zugute, Gottes Kind, das verbind’t sich mit unserm Blute.“ beschreiben diesen Rückhalt. Gott hat sich an Weihnachten ganz eng mit uns verbunden, indem er selbst Mensch geworden ist. Es ist kein Verhältnis von oben herab mehr – und so sollten wir auch miteinander umgehen. Aus Verbundenheit heraus einander betrachten!


Friedensgottesdienst mit Ralf Becker

Ökumenischer Friedensgottesdienst

am 18.11.2018 um 18 Uhr in der Neuen Brüderkirche

Als Christen die Welt mitgestalten:

Sicherheit neu denken – von der militärischen zur zivilen Sicherheitspolitik

Ralf Becker, Koordinator des Vereins gewaltfrei handeln – ökumenisch Frieden lernen und Mitglied der AG Sicherheit neu denken der Evangelischen Landeskirche in Baden

Die Evangelische Landeskirche in Baden hat auf ihrem Weg zu einer Kirche des Gerechten Friedens ein Szenario zum kompletten Umstieg von der militärischen zu ziviler Sicherheitspolitik bis zum Jahr 2040 entwickelt, das der federführende Autor Ralf Becker vorstellt.

Das Szenario lädt dazu ein, eine Zukunft zu denken, in der wir pro Jahr 60 Mrd. Euro in die zivile Krisenprävention und nachhaltige Entwicklung der EU-Anrainerstaaten anstatt in die Bundeswehr investieren. Grundlage sind ebenso bereits erprobte und realisierte Instrumente ziviler Krisenprävention als auch eine Wirtschafts- und Sicherheitspartnerschaft mit Russland bzw. der Eurasischen Wirtschaftsunion.

Teil des Szenarios ist die Gründung einer gemeinsamen Kampagne nach dem Vorbild derErlassjahr-Kampagne, in der von 1996 bis 2000 allein in Deutschland über 2.000 zivilgesellschaftliche und kirchliche Organisationen gemeinsam Gesellschaft mitgestaltet haben.

Infos incl. kostenloser Dateidownload der 30-seitigen Kurzfassung des Szenarios siehe www.ekiba.de/friedensszenario

Wenn Du Frieden willst – s. auch morgen-lieder.de

Redebeitrag zu Kundgebung gegen Rüstungsexporte

Redebeitrag von Pfarrer Stefan Nadolny bei der Kundgebung des Kassler Friedensforum mit den Musikern der „Lebenslaute“ anlässlich der Documenta-Eröffnung, am 11.6.2017

Liebe Organisatoren, liebe Anwesende, liebe Documenta-Besucherinne und –Besucher,

ich habe mich gefreut über die heutige Aktion des Friedensforums und der Lebenslaute und über die Anfrage, und möchte gern hier ein paar Worte sagen.

Die Aktion ist an einem sonnigen Tag wie heute passend und unpassend zugleich. Einerseits sind Documenta-Besucher Kummer gewohnt – im Fridericianum sind die Schrecken des Krieges sehr präsent, und Flucht und Migration sind ein wichtiges Thema. Andererseits ist es nicht unbedingt schön, an einem sonnigen Tag wie heute auch noch darauf hinzuweisen, dass auch in Kassel Waffen produziert werden, die in diesen Kriegen zum Einsatz kommen. Dennoch ist das dringend nötig.

Ein Berufsschullehrer erzählte mir, dass einige geflüchtete Schüler seiner Schule bei Krauss-Maffai-Wegmann ihre Ausbildung zum Kfz-Mechatroniker machen. Dort werden sie Waffen wiedererkannt haben, die sich schon aus Syrien kannten. Das hat mich ziemlich nachdenklich gemacht. Kann das wahr sein, dass wir die Waffen liefern, vor denen Flüchtlinge hierher fliehen?

Die Kirchen, evangelisch wie katholisch, haben immer wieder in aller Deutlichkeit darauf hingewiesen, dass Rüstungsexporte zur Friedensgefährdung beitragen und dass mit größter Sorge betrachtet wird, dass Deutschland Rüstungsexporteuer Nr. 5 weltweit ist, bei Kleinwaffen, der problematischsten Kategorie, sogar die Nummer 3 – dabei werden die Rüstungsexportkontrollen viel zu oft zu lax gehandhabt. Waffenlieferungen an kriegsführende Staaten und Staaten, die Demokratie und Menschenrechte missachten, sollten grundsätzlich ausgeschlossen sein. Aber reicht das? Waffen töten, dazu sind sie gemacht. Waffen leben lang – und Waffen wandern. Es entzieht sich unserer Kontrolle, wofür sie letztlich eingesetzt werden. Das ist im Syrienkrieg besonders deutlich geworden, wo der IS sogar Leopard-2-Panzer erbeutet hat. Das Geschäft mit Waffen mag einträglich sein – aber es wäre nicht nur unethisch, sondern auch äußerst kurzsichtig, seinen Wohlstand auf Waffengeschäfte aufzubauen. Waffenexporte sollten auf ein Minimum reduziert werden! Wir brauchen dringend eine stärkere Kontrolle der Rüstungsexporte und Transparenz der Genehmigungsverfahren, wie das u.a. die Aktion Aufschrei gegen Waffenexporte fordert.

Die auch in Kassel ansässige Firma Rheinmetall möchte Rüstungsexportkontrollen in Zukunft ganz aus dem Weg gehen, indem sie mittels einer Tochtergesellschaft mit einem türkischen Panzerbauer kooperiert und direkt in der Türkei produziert. Dem müssen wir und müssen Politiker entschieden entgegentreten! Eine Firma kann nicht einerseits die Bundeswehr beliefern und andererseits sich jeglichen Kontrollen entziehen und offen zugeben, dass sie auf dem Wachstumsmarkt Naher Osten schlicht und einfach Geschäfte machen will, ohne Rücksicht auf Verluste. Hier muss Druck ausgeübt werden! Die Freiheit der Wirtschaft muss Grenzen haben!

 

Waffeneinsatz mag unter den jetzigen Bedingungen in einzelnen Fällen als ultima ratio notwendig sein. Aber das Problem ist: Diese ultima ratio prägt das Denken und Handeln von Anfang an. Menschen und Staaten verlassen sich auf die Stärke ihrer Waffen. Das ist schon von den Propheten der Bibel in aller Schärfe angeprangert worden. Die Friedensdenkschrift der EKD von 2007 fordert: „Wer den Frieden will, muss den Frieden vorbereiten!“ Die prima ratio müssen nicht-militärische Lösungen bleiben. Und die müssen ausreichend finanziert werden. Es kann nicht sein, dass man 9x mehr für Militär als für Entwicklungszusammenarbeit ausgibt und dann bedauert, dass Friedensdienste nichts bewirken können. Wir brauchen eine ausreichende Finanzierung der nichtmilitärischen Optionen! Gerade wo sich im Moment z.B. in Syrien doch deutlich zeigt, wie wenig mit Waffengewalt zu erreichen ist.

Menschen fliehen vor gewaltsamen Auseinandersetzungen, die auch mit in Deutschland produzierten Waffen geführt werden. Dass diese Menschen hier Schutz brauchen, hat nicht nur die EKD-Synode kürzlich bekräftigt. Viele Menschen kommen auch hier an. Aber, ich zitiere Pro Asyl: „Seit dem Jahr 2000 sind an den Außengrenzen der EU über 35.000 Menschen ums Leben gekommen, die auf der Flucht vor Krieg, Verfolgung und Elend waren. Die Politik der EU nimmt ihren Tod billigend in Kauf. Sie schottet ihre Grenzen ab, versperrt Schutzsuchenden sichere Fluchtwege, zwingt sie auf lebensgefährliche Routen. Statt alles daran zu setzen, schiffbrüchige Flüchtlinge zu retten, setzt die EU auf die militärische Bekämpfung von Schleppern. Dies hindert Menschen in Not nicht daran, sich auf den Weg zu machen. Nur ein europäisches Seenotrettungsprogramm und legale Fluchtwege können das Sterben an Europas Grenzen beenden.“

Also: Die EU muss sichere legale Wege ermöglichen und Familienzusammenführung sichern („Familien gehören zusammen“).

Ein Skandal ist es, dass inzwischen Entwicklungshilfegelder, die ohnehin schon minimal sind, für Grenzsicherungssysteme oder Schutz einer militärischen Präsenz ausgegeben werden, wie das Forum Ziviler Friedensdienst beklagt. Es wird immer wieder gefordert, dass man beim Thema Flüchtlinge in den Herkunftsländern ansetzen müsste. Ja, das ist ein wichtiges Element, das aber nicht in Konkurrenz treten darf zur Notwendigkeit Flüchtlinge aufzunehmen. Und: Wir müssen nicht nur in den Herkunftsländern ansetzen, sondern auch bei uns! Indem hier bei uns ganz klar wird: Wir verzichten darauf, mit Waffenexporten in Krisenregionen Geschäfte zu machen! Schwerter zu Pflugscharen, das ist immer noch eine Arbeit, die zu tun ist. Rüstungskonversion ist möglich und nötig!

„Selig sind die Frieden stiften!“ heißt es in der Bibel. Und es geht dabei um einen Frieden, der nicht mit Waffen erkämpft wird. Es geht um einen Frieden, der erkämpft wird durch das deutliche Bekenntnis zum Frieden, indem die Wege des Friedens auch beschritten werden!

Und fordern wir das von unseren Politikern ein! Der Bundestagswahlkampf ist sicher eine gute Gelegenheit dazu! Und heute die Documenta: Kassel ist eine Stadt, in der Waffenproduktion eine alte Tradition hat und die im Krieg weitgehend zerstört wurde. Kassel ist Documenta-Stadt und eine Stadt, die viele Flüchtlinge willkommen heißt. Sie soll in Zukunft Stadt des Friedens sein und nicht eine, aus der Waffen unkontrolliert exportiert werden! Dafür brauchen wir eine offene Diskussion über diese Themen!

Vielen Dank für Ihre und eure Aufmerksamkeit – und ich freue mich, dass wir jetzt Musik für das Leben gegen die Logik des Tötens hören!