Lebensmittel Fair-teilen statt Wegwerfen!

Jeden Dienstag, Donnerstag und Samstag werden an der Neuen Brüderkirche Lebensmittel verteilt, die von den Supermärkten wegen des Mindesthaltbarkeitsdatums oder Reifegrades aussortiert wurden. Die Abholenden bekommen aufgrund der Coronasituation eine fertig gepackte Tüte, was eine zügige Verteilung ermöglicht, außerdem Brot so viel sie wollen.

Lebensmittelverteilung hat in der Gemeinde eine lange Tradition. In den 20er Jahren des letzten Jahrhunderts gab es eine Suppenküche für die Arbeitslosen in der Altstädter Gemeinde, wie sie damals noch hieß. In den 90er Jahren wurde die „Gesegnete Mahlzeit“ in der Gemeinde der Brüderkirche etabliert. Und seit 2012 kam in der Hoffnungskirchengemeinde (so der jetzige Name) Foodsharing hinzu: Foodsaver retten Lebensmittel an der Haltbarkeitsgrenze, die dann an der Kirche verteilt wurde.

Seit Beginn der Coronakrise musste die Art der Verteilung geändert werden. Jetzt kommt ein Team zusammen, sortiert aus und bereitet die Tüten vor, und gibt die Lebensmittel aus. Der Aufwand ist hoch, aber mit vielen Engagierten zu bewältigen. Durch diese Veränderung ist es möglich geworden, wesentlich mehr Menschen mit Lebensmitteln zu versorgen. Lebensmittel werden auch direkt bei Supermärkten abgeholt für unsere Verteilung.

Das ist gute Kameradschaft
Du musst positiv denken wollen

Dabei stehen zwei Ziele gleichberechtigt nebeneinander: Zum einen die Hilfe für Menschen, die wenig Geld zu Verfügung haben. Zum anderen werden Lebensmittel gerettet, sie müssen nicht weggeschmissen werden – das ist auch ein Beitrag für Nachhaltigkeit.

Es sind ca. 20 Menschen aus vielen Ländern, die sich hier zusammengetan haben. Sie arbeiten zusammen in einem interkulturellen Team. Das erfüllt nicht nur einen Zweck im Sinne der beiden Ziele, sondern es hat auch einen Wert an sich: Menschen unterschiedlicher Herkunft machen die Erfahrung, dass sie gemeinsam etwas positives bewirken können. Zusammenarbeit wird zur Selbstverständlichkeit in einem Kontext, wo Menschen zwar Tür an Tür leben, aber selten intensiv, und wo Integration von vielen auch in Frage gestellt wird.

Hier die Geschichten von einigen Mitarbeitenden (bitte auf die Bilder klicken):

Eine Arbeit, die gut für’s Herz ist
Man braucht eine Bühne für das Zusammenwirken

Tamara Drath https://hoffnungskirchengemeinde.de/es-gibt-mehr-als-mich-selbst

Es kommt von Gott
Keine Probleme miteinander

Simon Probst https://hoffnungskirchengemeinde.de/alle-menschen-hier-haben-das-ziel-anderen-zu-helfen

Viele Mitarbeitende sind Muslime. Es finden regelmäßig interreligiöse Gespräche statt, organisiert von unserer Gemeinde, dem katholischen Dekanat und der benachbarten Moscheegemeinde Islamisches Zentrum. Diese tragen zum gegenseitigen Verständnis bei. In der Arbeit der Lebensmittelverteilung realisiert sich bereits, was ein wichtiges Ziel dieser Gespräche ist: Gute Nachbarschaft und gemeinsames Engagement für die Menschen über alle Grenzen hinweg.

Die Gemeinde ist Träger dieser Arbeit und stellt ihre Räumlichkeiten für diese Arbeit zur Verfügung. Die Sortierung kann auch im Gottesdienstraum stattfinden, da der Kirchenvorstand den hohen Wert dieser Arbeit sieht: Die Verteiltische sind sozusagen Altäre im Sinne der alttestamentlichen Sozialgesetzgebung, die Arbeit ist Gottesdienst im Alltag.

Die Lebensmittelverteilung wird finanziell unterstützt von der UNIKIMS, wodurch entstehende Kosten gedeckt werden können, außerdem von weiteren Spendern.

Text: Stefan Nadolny – Fotos: Karola Müller von der Grün – Geschichten der Mitarbeitenden: Claus-Peter Müller von der Grün

Herzlich Willkommen in der Erlöserkirche Fasanenhof und in der Neuen Brüderkirche!