Gottesdienst, Bibelgespräche, Geistliches

Der Gottesdienst am jeweils kommenden Sonntag wird und Aktuelles angezeigt.

Ab 13. Mai finden wieder Gottesdienste vor unseren Kirchen statt, falls die Inzidenz unter 150 liegen sollte. Außerdem gibt es Online-Angebote und Offene Kirche (Termine siehe die Seite Gottesdienste). Wenn die Zahl über 150 liegt fällt der Gottesdienst aus.

Die Online-Gottesdienste finden über die Plattform Zoom statt und sind über folgenden Link zu erreichen:

Zoom-Meeting beitreten
https://us02web.zoom.us/j/3647846494?pwd=T1VBb0xDZ1B1OE9vaUduOGFKbnlwdz09

Meeting-ID: 364 784 6494
Kenncode: 004386
Es ist auch möglich, folgende Telefonnummer anzurufen und hörend teilzunehmen: +49 695 050 2596. Meeting-ID und Kenncode müssen dann über die Tastatur eingegeben werden.

Die Erlöserkirche ist mittags zwischen 12 Uhr und 13.30 Uhr geöffnet für Gebet, Stille und Gespräche.

Außerdem ist die Erlöserkirche jeweils mittwochs um 18.30 Uhr bis zum Läuten um 19.00 Uhr zum persönlichen Gebet und Andacht mit Musik und Segenswort geöffnet: „FeierAbend“- Auftanken im Alltag je. 

Bitte denken Sie daran:

Sowohl zum Gottesdienst und auch zu den Andachten besteht Maskenpflicht. Bringen Sie Ihren Mund-Nasen- Schutz mit! Zurzeit können auch nur 40 Besucher gleichzeitig in der Erlöserkirche und 25 in der Neuen Brüderkirche sein.

Wenn Sie ein Gespräch oder regelmäßige Anrufe wünschen, wenden Sie  sich an uns: Pfarrerin Claudia Barth, Tel. 87 80 89 und Pfarrer Stefan Nadolny, Tel.: 87 45 42

In der Erlöserkirche beginnt der Gottesdienst um 9.45 Uhr und in der Neuen Brüderkirche um 11.15 Uhr.

Das Angebot an Abendgottesdiensten wird ergänzt durch einen Meditativen Gottesdienst am 3.Sonntag des Monats um 18 Uhr in der Erlöserkirche. Der Kirchenvorstand hofft, mit diesem Angebot vielen Menschen den Gottesdienstbesuch zu ermöglichen.

Die Gottesdienste werden weiterhin nach den Vorgaben des Hygienekonzeptes abgehalten. Diese beinhalten: Reduzierung der Platzzahl, Abstand von zwei Metern der Gottesdienstbesucher*innen untereinander, Abstand von 6 Metern von singenden Personen (1 bis höchstens 4) zu den Gottesdienstteilnehmern, Maskenpflicht im Gottesdienst (außer Sprecher*innen). Bitte ziehen Sie sich warm an, wir dürfen nicht durchheizen!

Unsere Landeskirche hat eine neue Kollektenordnung herausgegeben mit dem Ziel einer Vereinfachung der Verwaltung. Sie bedeutet, dass die Gemeinde über die Zweckbestimmung von mehr Kollekten selbst entscheiden kann, dass allerdings 15% der Kollekten an landeskirchliche Projekte gehen. Unser Kirchenvorstand hat einen Kollektenplan beschlossen, indem jeweils einen ganzen Monat in beiden Kirchen für ein wichtiges Projekt gesammelt wird, mal ein Projekt in der Gemeinde, und mal z.B. ein diakonisches Projekt in der Region oder auch Brot für die Welt. Mit diesem Modell werden wir jetzt ein Jahr lang Erfahrungen sammeln und es dann bewerten und wenn nötig modifizieren.

Predigt zu Karfreitag 2021

Von Pfarrerin Claudia Barth

Predigtimpuls

„Denn so sehr hat Gott diese Welt geliebt: Er hat seinen einzigen Sohn hergegeben, damit keiner verloren geht, der an ihn glaubt. Sondern damit er das ewige Leben erhält.“    Johannes 3,16

Die Kirchturmuhr schlug nicht mehr. In der Karwoche ist das eine merkwürdige Erfahrung. Habe ich etwas verpasst? Schweigen die Glocken jetzt auch schon vor Karfreitag? Ich habe herumgefragt. Einige hatten gar nichts bemerkt, anderen fehlte der Stundenschlag sehr. Selbst die Erzieherinnen in der Kindertagesstätte orientieren sich an der Kirchturmuhr. Und dann schlägt sie einfach nicht mehr! Wahrscheinlich war es nur eine defekte Sicherung. Aber es ist erstaunlich, dass uns das so bewegt mit der Zeit. Anlässlich der Zeitumstellung war letzte Woche sogar ein Zeitforscher im Interview zu hören. Der hat sehr deutlich gemacht, dass die Uhr nicht gleich „Zeit“ ist. Uhren sind Hilfsmittel. Damit versuchen wir etwas festzulegen, was individuell höchst verschieden erlebt wird. Rennt für mich gerade die Zeit, weil viel gleichzeitig zu bedenken ist, scheint sie für meine Nachbarin nicht vom Fleck zu kommen. Sie hat so eine Ahnung von dem Ewigkeitscharakter der Zeit. Dabei – wir selber wissen genau, dass wir endlich sind. Ist Zeit unendlich und deshalb so besonders für uns?

Ich habe einen Lieblingsfilm, der mich gerade deshalb so anspricht, weil er die vergehende Zeit sichtbar macht: gegenwärtige Zeit, Zeit vergangener Zeiten, schwere Zeiten und Zeiten der Liebe, gefüllte Zeit und Sehnsuchtszeit dargestellt an einer Familiengeschichte durch die Generationen.

Tatsächlich bleibt manchmal die Zeit stehen: bei besonderen Ereignissen trifft es uns so, dass wir den Augenblick, die Gegenwart, besonders intensiv wahrnehmen. Und uns noch Jahre und Jahrzehnte später erinnern, wo wir waren und wie wir uns gefühlt haben. Solche Erfahrungen haben das Zeug, unser Zeitempfinden zu verändern. Nicht nur für die Angehörigen der Opfer von Hanau gibt es seit dem 19. Febr. 2020 ein Davor und ein Danach. Aber auch die schönen Lebenswenden wie Hochzeit oder Geburt der Kinder strukturieren unser Leben. Nicht umsonst feiern wir zu diesen besonderen Zeiten.

Jesus hat sein Leben wie wir Menschen auch gelebt. Mit menschlichen Augen betrachtet, scheitert er am Ende. Er wird gefangengenommen, verurteilt und verspottet, gequält und gekreuzigt. Sein Tod ist unausweichlich. Jesus weiß das. Dennoch hält er diese Gegenwart aus. Für seine Jüngerinnen und Jünger bleibt dagegen die Zeit stehen. Die menschliche Zeit. Die Zeit Gottes hat andere Maßeinheiten. Vielleicht war das Besondere an Jesus, dass er sein Leben und Ergehen in diese Gotteszeit einordnen konnte. Einordnen in die Ewigkeit Gottes.

Karfreitag, der Tod Jesu, ist eine Zäsur. Auch für uns heute, gut 2000 Jahre später ist das so. Auch das ist eine besondere Erfahrung von Zeit. Schon Jesu Leben schafft ein Davor und ein Danach – immerhin sprechen wir historisch von „vor Christus“ und „nach Christus“. Sein Tod am Kreuz ist es, der alles verändert. Er hat Zweifel und Enttäuschung, Wut und Ergebenheit bei denen ausgelöst, die das miterlebt haben. Alles scheint in die falsche Richtung zu laufen, nach menschlichem Verständnis.

Mit dem Blick der Jünger*innen zurück auf diese Erfahrung suchen sie nach Antworten. Die Begegnung mit dem Auferstandenen ermöglicht ihnen letztlich, den eigenen Blick zu weiten. Gottes Gedanken sind größer als unsere, das wurde in allen Zeiten festgehalten, aber gleichzeitig wurden Antworten gesucht, wie es sein kann, dass ein Tod, Jesu Tod, etwas Gutes ist. Für mich ist es entscheidend, dass das Verhältnis zwischen Gott und Mensch neu gedacht wurde. Dass wir als Ebenbilder Gottes geschaffen wurden und gleichzeitig Gott in einem Menschen, Jesus, uns gleich wurde (Philipper 2), lässt wenig Raum für ein Machtgefälle zwischen Gott und Menschen. Meine Antwort ist: Solchen Ausgleich kann nur die Liebe schaffen.

„Denn so sehr hat Gott diese Welt geliebt: Er hat seinen einzigen Sohn hergegeben, damit keiner verloren geht, der an ihn glaubt. Sondern damit er das ewige Leben erhält.“    Johannes 3,16

 Als Liebender setzt Gott alles dafür ein, damit wir leben können – und eben nicht an Leid, Not und Tod scheitern müssen. Das, was unser Leben behindert, steht nicht zwischen Gott und Mensch. In dem, was Jesus erlebt und erlitten hat, ist es ein für allemal aufgehoben. Gott will mit uns Menschen auf Augenhöhe zu tun haben. Am Anfang dieser Erkenntnis und dieses Glaubens steht der Tod Jesu. Da geht es um Befreiung. Befreiung von der Macht des Todes, von der Erdenschwere. Und damit kommt dann wieder die Zeit Gottes in den Blick. Die Ewigkeit ist unsere Perspektive.

„Denn so sehr hat Gott diese Welt geliebt: Er hat seinen einzigen Sohn hergegeben, damit keiner verloren geht, der an ihn glaubt. Sondern damit er das ewige Leben erhält.“ Joh 3,16

Das ist eine Formulierung der Zeitrechnung Gottes: hinter dem Tod Jesu erkennen wir eine andere Wirklichkeit, die ewige Wirklichkeit Gottes. Jesu Tod geschieht insofern „für uns“. Weil er uns veranlasst, genauer hinzuschauen und das Geheimnis zu begreifen: Gottes Liebe bringt uns und trägt uns im Leben.

Dabei ist es auch ein Geheimnis der Zeit, wie für Menschen aller Zeiten dieser Glaube gegenwärtig werden kann. Gottes Liebe können wir heute genauso erleben wie Menschen vor uns sie erlebt haben und Menschen nach uns sie erleben werden.

Und so können auch schweigende Glocken vor Karfreitag sehr beredt sein: es ist aus der Zeit gefallen, was da geschieht. Und es ist gut, dass es solche Anlässe gibt wie den Karfreitag, wenn wir uns das bewusst machen: Gottes Zeit bricht in unsere Zeit, in unser gegenwärtiges Leben, ein. Seine Liebe umfängt uns immer. Das ist die Antwort am Karfreitag.

Amen.